Alltagsfluchten: Eine Szene im April

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Wie so eine Szene aussieht? Zum Beispiel so:

Aprilregen: Dancing on my own

Helena öffnete das Fenster in ihrem Schlafzimmer. Beide Hälften. Sperrangelweit. Das beständige Rauschen des Regens, das sie seit dem Aufwachen begleitete, nahm an Lautstärke zu.
Bis es über sie hinweg zu schwappen drohte.
Sie umhüllte.
Die Welt um sie ausblendete.
Vor ihren Augen, rund um ihren Kopf dröhnte der lang ersehnte Regen. Die Luft roch feucht, nach aufgewirbeltem und durchnässtem Blütenstaub. Eine letzte Erinnerung an die Trockenheit der vergangenen Wochen, an die dichte, dicke Luft, die sich Tag für Tag über die Stadt gelegt hatte.
Es ist zu warm, hatte die Stimme in Helenas Kopf mehrmals gemahnt. Es ist endlich warm, hatte die gleiche Stimme immer wieder auch geantwortet.
Im April gab es früher ganze Wochen, die ausgefüllt waren von strömendem Regen. Heutzutage ging fast niemand mehr mit Schirm außer Haus. In einer Stadt, in der ständig der Wind geht und kaum Regen fällt, gibt es keinen Bedarf für Schirme.
Und man findet immer einen Ort, um unterzustehen.
Selten wurde der Regen von so viel Aufatmen begleitet wie diesmal. Lächelnde Gesichter trotz der grauen Regenwolken über uns. Irgendwo schneite es.
Der April macht, was er will.
Ich mache, was ich will!, rief die Stimme in Helenas Kopf über das Rauschen, das durch ihr Schlafzimmerfenster drang, hinweg. Dann drängte der Regen wieder alle Spuren der Realität zur Seite. Es gab nur sie und die frische, regennasse Luft. Und das reinigende Trommeln der Regentropfen auf das Fensterbrett.
Der Rhythmus des Aprilregens.
Wie der Herzschlag eines Songs.
Das Klopfen erreichte Helenas Zehenspitzen, übernahm die gesamte Fußsohle und wand sich in Windeseile über ihre Unterschenkel nach oben.
Helenas Knie zitterten leicht.
Ungeduldig.
Fast euphorisch.
Als ihr Bauch zu kribbeln begann, war die Melodie bereits in ihrem Kopf zu hören.
Und Helena tanzte.
Mit dem Rauschen im Hintergrund.
Und der Musik in ihr.

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